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Seit Jahrhunderten gestalten Menschen die Wände von Gebäuden und Wohnhäusern. Die eindrucksvollsten und technisch aufwendigsten Malereien entstanden im Römischen Reich. Neben der klassischen Wandmalerei etablierten sich in der Antike auch Spachteltechniken. Im 21. Jahrhundert erfreuen sich diese wieder einer größeren Beliebtheit. Wir stellen hier eine der beliebtesten und gleichzeitig auch anspruchsvollsten Techniken vor: die Venezianische Spachteltechnik.

Venezianische Spachteltechnik in Blautönen.

Durch die Venezianische Spachteltechnik lassen sich Wohnräume attraktiv gestalten. © danielle_blue by Flickr.com

Die Venezianische Spachteltechnik (auch oftmals als „Flüssiger Marmor“ bezeichnet) bietet ein hohes Maß an gestalterischer Freiheit und Variationsmöglichkeiten. Entstanden ist sie im 15. Jahrhundert in Italien. Meister des Stuckateurhandwerks suchten damals nach einem edlen Wandputz, der die Stuckprofile hervorhebt. Sie fanden ihn in Form einer Mischung aus feinstem Marmormehl und Kalk, die im Anschluss mit in der Natur vorhandenen Pigmenten vermengt und zu einer verspachtelbaren Masse verarbeitet wurde.

Die Materialbeschaffung

Bevor die Arbeit beginnt, muss das Material beschafft werden. In Baumärkten gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Spachtelkellen. Um Struktur in den Putz zu bringen, sollte eine Kelle mit Zahnprofil verwendet werden. Weiterhin empfiehlt sich der Einsatz einer zweiten Putzkelle, um eine optimale Dosierung des Putzes zu gewährleisten.
Wer sich den Fußboden nicht ruinieren möchte, sollte zudem Abdeckfolie, Malerkrepp und Fliesmatten einsetzen. Zum Abkleben von Fenstern und zur Trennung von angrenzenden Wandflächen empfiehlt sich reguläres Malerkreppband.

Vorbereitung des Untergrundes

Für alle Spachteltechniken wird eine glatte Oberfläche benötigt (beispielsweise eine Wand, auf der zuvor Tapeten entfernt wurden). Unebenheiten auf der Wand können mit einer fertigen Handspachtelmasse ausgeglichen werden. Diese sollte möglichst gleichmäßig und dünn aufgetragen werden und ist in der Regel nach 8-12 Stunden durchgetrocknet.

Jetzt kann mit Tiefgrund grundiert werden. Die Grundierung sorgt für ein gleichmäßiges Einziehen der nächsten Spachtelschichten. Am Ende sollte eine glatte und ebene Oberfläche zur weiteren Bearbeitung vorhanden sein.

Die Ausführung der Arbeiten

Auftrag der ersten Schicht

Nach der Vorbereitung der Fläche wird die Spachtelmasse gleichmäßig mit einer Schichtdicke von etwa 1-2cm aufgetragen. Da Spachtelmasse innerhalb kürzester Zeit antrocknet, sollten die Arbeiten schnell und präzise durchgeführt werden. Für absolute Anfänger eignet sich die Venezianische Spachteltechnik daher nur bedingt.

Der erste Auftrag dient der Strukturspachtelung und wird im Anschluss mit einer Streichbürste gleichmäßig im Verbund strukturiert. Die besten Ergebnisse lassen sich erzielen, wenn die Bürstenschläge wie folgt ausgeführt werden:

  • kreuz und quer
  • von oben nach unten
  • ohne Muster
  • möglichst kurz

Nach jedem Arbeitsschritt sollte das Malerkrepp unbedingt entfernt werden.

Die Dekorierarbeiten

Nachdem die erste Schicht durchgetrocknet ist, beginnen die Dekorierarbeiten. Hierbei wird eine dünne Schicht Spachtelmasse in einer lockeren Verteilung (ebenfalls unsystematisch) aufgetragen. Im Anschluss daran wird eine weitere Schicht über die gesamte Fläche verteilt und anschließend glatt gezogen. Nun muss überschüssige Spachtelmasse abgetragen werden, sodass ein dünner und gleichmäßiger Film entsteht. Der Auftrag sowie der Glättvorgang erfolgen im bereits bekannten Verfahren (von oben nach unten, im Verbund).

Auftrag der Farbe und Verdichten des Werkstoffes

Die Venezianische Spachteltechnik bietet vielerlei Variationsmöglichkeiten.

Hinsichtlich der Farbe und Struktur bietet die Venezianische Spachteltechnik ein hohes Maß an gestalterischer Freiheit. © andres musta by Flickr.com

Nach diesem Vorgang beginnt der anspruchsvollste Teil der Arbeit: der Auftrag der Farbe sowie das Verdichten des Werkstoffes. Der Farbauftrag (für welchen Fachleute eher helle und freundliche Farbtöne empfehlen) beginnt, sobald 2/3 der Fläche matt bzw. feucht angetrocknet sind. Die Aufziehkelle muss bei diesem Vorgang stets sauber sein und immer wieder mit Wasser angefeuchtet werden.

Wenn ein besonders lebhaftes und farbenprächtiges Oberflächenbild gewünscht wird, dürfen die Flächen nach der Vor- und Grundspachtelung nur leicht angeschliffen werden.
Mit einem erhöhten Anpressdruck wird die aufzutragende Farbe jetzt von oben nach unten gezogen, sodass eine relativ glatte Oberfläche entsteht.

Wurden die Arbeiten am Ende richtig ausgeführt, bleibt eine leicht schimmernde Struktur zurück, die an flüssigen Marmor erinnert. Es kann durchaus vorkommen, dass gerade bei einer so komplexen Technik beim ersten Versuch nicht das gewünschte Ergebnis erzielt wird. In solch einem Fall sollten Sie ausgewiesene Profis wie zum Beispiel die Malerexperten von Tophand beauftragen!

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